Die Pyramidenbauer von Pjöngjang


[For German readers of CanKor, here is an article published in Financial Times Germany by Georg Fahrion, who recounts the fascinating history of the Ryugyong Hotel in Pyongyang. Originally slated to be the tallest building in Asia and largest hotel in the world, this structure remained a concrete shell for decades in North Korea’s capital. Ironically, it is an Egyptian communications multinational that is completing this pyramid-shaped structure in what seems to be a billion-dollar wager on the future opening of the DPRK itself. –CanKor]

Ryugyong Hotel (photo by picture-alliance/dpa)

Seit Jahrzehnten ist das riesige Ryugyong-Hotel in Nordkoreas Hauptstadt eine Bauruine. Jetzt wird es fertiggestellt – von einem ägyptischen Mobilfunkkonzern. Die Geschichte einer ungewöhnlichen Geschäftsbeziehung. von Georg Fahrion, Pjöngjang.

Ezzeldin Heikals Eintrittskarte nach Nordkorea ist vom All aus zu sehen. 337 Meter hoch erhebt sich die Pyramide des Ryugyong-Hotels über Pjöngjang und wirft ihren dreieckigen Schatten auf die Stadt. Vom Balkon seines Büros hat Heikal eine gute Sicht auf das 105-stöckige Gebäude, in dessen blauer Glasverkleidung sich die Strahlen der Frühjahrssonne brechen. “Innerhalb von zwei Jahren sind die wirklich weit vorangekommen”, sagt er. “Die Fassade ist fast fertig, bloß der Innenausbau fehlt noch.”

Als der Telekommanager Heikal im August 2008 nach Nordkorea zog, war das Ryugyong noch ein Betongerippe. Mit 3000 Zimmern hatte es mal das größte Hotel der Welt werden sollen, ein gigantischer Vorzeigebau, um das Regime Kim Il-sungs zu verherrlichen. 1987 hatten die Bauarbeiten begonnen, doch Anfang der 90er-Jahre wurden sie eingestellt – aus Geldmangel. Fast zwei Jahrzehnte lang war die riesige Baustelle verwaist. Statt zum Stolz der Diktatur wurde das Ryugyong zu ihrem weithin sichtbaren Schandfleck. So groß war die Peinlichkeit, dass man die Ruine sogar aus offiziellen Fotos herausretuschierte.

Dass die nordkoreanische Regierung ihren Prunkbau jetzt doch noch bekommt, verdankt sie einem Deal mit Heikals Arbeitgeber Orascom Telecom: Der ägyptische Telefonkonzern baut das Ryugyong fertig. Man könnte von einer wunderlichen Geschäftsentscheidung sprechen – woher sollen im abgeschotteten Nordkorea schon die Besuchermassen kommen, um so ein Hotelmonster zu füllen? Berichten zufolge hatten es japanische und südkoreanische Unternehmen wiederholt abgelehnt, das Projekt in Angriff zu nehmen. Orascom hingegen hat eingeschlagen. Die Firma habe sich auch für 100 Jahre die exklusiven Nutzungsrechte für das Ryugyong gesichert, wie Heikal erzählt.

Ein potenzielles Millionengrab? Wahrscheinlich. Und gleichzeitig das genaue Gegenteil – denn Orascom geht es um mehr. Die Vollendung des Ryugyong war eine Dreingabe, der Türöffner für jene Unternehmung, die dem Konzern in Nordkorea wirklich wichtig ist. Was die Ägypter dort vorhaben, ist eine milliardenschwere Wette, ein revolutionäres Projekt – und das sogar im Wortsinn: Orascom baut im Reich von Kim Jong-il ein Mobilfunknetz auf.

Die Pointen dieser Geschichte klingen eigentlich fast zu konstruiert, um wahr zu sein. Ausgerechnet die Ägypter bauen am anderen Ende der Welt eine gigantische Pyramide fertig. Ausgerechnet die Ägypter, die gerade dank verbesserter Kommunikation ihren Diktator gestürzt haben, gehen in die vielleicht totalitärste Diktatur des Planeten, um dort die Kommunikation zu verbessern.

Um weiterzulesen, bitte hier klicken: Die Pyramidenbauer von Pjöngjang

One Response to “Die Pyramidenbauer von Pjöngjang”

  1. Japanisches Papier kleben im Netz Says:

    […] Die Pyramidenbauer von Pjöngjang Filed Under: NEWS […]


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